Felix Niemann — Transfer, Beratung, Lehre. Zum Seitenanfang

Theorie-Praxis-Transfer · Beratung · Lehre

Kein Change ohne Widerstand. Also fangen wir dort an.

Ich berate öffentliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe — Jugendämter und Landesjugendämter — zu Recht auf der Handlungsebene nach dem Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), zu Beteiligung von Sorgeberechtigten und Pflegepersonen und zu Steuerung mit Kennzahlen. Ich baue keine Lösung neben Ihrer Organisation, sondern aus dem, was in ihr schon vorhanden ist.

Digitalisierung in der Verwaltung sieht anders aus als in der Wirtschaft. Die Hürden sind real. Sie sind aber beschreibbar — und damit bearbeitbar.

Kurzprofil

Profession
Sozialpädagoge
Praxis
Großstadtjugendamt, seit 2012
Funktion
Koordination im ASD
Lehre
seit 2014, zwei Hochschulen
Produktionen
drei Podcast-Reihen

01

Die Angst vor der Digitalisierung ist kein Widerstand gegen Fortschritt.

Sie ist eine Sorge um Zeit. Wer mit Familien arbeitet, rechnet jede Stunde gegen den Fall. Ein neues Verfahren wirkt zuerst wie Entzug: Aufwand hier, Nutzen irgendwo bei der Leitung.

Diese Rechnung muss man ernst nehmen, statt sie zu widerlegen. Erst wenn die Sorge benannt ist, lässt sich prüfen, ob sie zutrifft — und der Change-Prozess wird planbar statt zäh.

Fünf Einwände gegen Digitalisierung und Kennzahlen im Jugendamt

„Digitales frisst Zeit, die den Familien fehlt.“

Stimmt für jedes Verfahren, das zusätzlich zur Dokumentation läuft. Deshalb ist die erste Frage nie „Was können wir digitalisieren?“, sondern „Welche Doppelerfassung können wir streichen?“

Wir messen den Aufwand vor und nach der Erprobung. Wenn eine Maßnahme keine Zeit zurückgibt, kommt sie nicht in den Regelbetrieb.

„Die Zahlen sagen nichts über unsere Fälle.“

Meistens richtig — weil die Kennzahl aus der Statistikpflicht stammt und nicht aus einer Steuerungsfrage. Fallzahlen pro Bezirk beantworten keine einzige Leitungsentscheidung.

Wir gehen den Weg umgekehrt: Steuerungsfrage zuerst, dann die Kennzahl, dann der Erhebungsweg. Was keine Frage beantwortet, wird nicht erhoben.

„Am Ende kontrolliert das nur uns.“

Eine berechtigte Befürchtung, und der häufigste Grund für stille Verweigerung. Kennzahlen können zur Personenbewertung missbraucht werden, wenn niemand festlegt, wofür sie da sind.

Deshalb gehört zu jeder Kennzahl eine schriftliche Zweckbindung: welche Entscheidung sie stützt, welche Aggregationsebene gilt, wer sie sieht. Personalrat und Fachkräfte sind dabei von Anfang an im Raum.

„Wir haben drei Systeme, die keiner nutzt.“

Dann ist ein viertes System die falsche Antwort. Nicht genutzte Software ist fast immer ein Zeichen dafür, dass der Arbeitsablauf nie beschrieben wurde, der damit abgebildet werden sollte.

Ich beginne beim Ablauf, nicht beim Produkt: Wer erzeugt welche Information, wann, für wen. Danach zeigt sich, was das vorhandene Fachverfahren bereits kann.

„Rechtlich geht das bei uns nicht.“

Manchmal trifft das zu, häufiger verdeckt der Satz eine ungeklärte Zuständigkeit. Sozialdatenschutz nach dem Sozialgesetzbuch Zehntes Buch (SGB X) ist streng, aber er verbietet weniger, als ihm zugeschrieben wird.

Wir trennen die Ebenen: rechtliche Grenze, fachliche Grenze, organisatorische Gewohnheit. Nur die erste ist unverhandelbar.

Ihr Einwand steht nicht dabei?

Dann ist er der Anfang des Gesprächs.

Einwand schildern

02

Das Problem verstehen, dann aus vorhandenen Strukturen bauen.

Vier Schritte, in dieser Reihenfolge. Kein Schritt wird übersprungen, weil die Zeit knapp ist — Abkürzungen kosten in der Verankerung mehr, als sie in der Analyse sparen.

  1. 01

    Verstehen

    Gespräche auf allen Ebenen: Leitung, Sachgebiet, Fachkräfte. Welche Frage steht hinter dem Auftrag? Was wurde schon versucht, und woran ist es gescheitert?

  2. 02

    Verorten

    Welche Daten, Rollen und Ressourcen sind vorhanden? Wo liegt Widerstand, und ist er sachlich begründet? Kein Neubau, wo ein Umbau reicht.

  3. 03

    Erproben

    Kleiner Schnitt, echte Fälle, feste Laufzeit. Kennzahl definieren, Erhebungsweg testen, Aufwand messen. Ergebnis offen — auch Abbruch ist ein Ergebnis.

  4. 04

    Verankern

    Dienstanweisung, Rollen, Turnus, Zweckbindung. Dokumentiert so, dass es ohne mich weiterläuft. Übergabe an die Verantwortlichen im Haus.

03

Drei Arbeitsfelder: Recht, Beteiligung, Steuerung mit Kennzahlen.

Recht wird nicht im Gesetz angewendet, sondern am Küchentisch.

Zwischen dem Wortlaut des Sozialgesetzbuchs Achtes Buch (SGB VIII) und der Entscheidung einer Fachkraft im Hausbesuch liegen Auslegungsräume, Dienstanweisungen und Gewohnheiten. Genau dort arbeite ich.

Meine Fragestellungen kommen aus der Praxis der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe, nicht aus dem Lehrbuch — und gehen von dort zurück in Fortbildung und Lehre.

Typische Aufträge

  • Rechtsanwendung in der Jugendgerichtshilfe: Verfahren, Rolle, Stellungnahme
  • Arbeitshilfen und Prüfschritte für den Allgemeinen Sozialen Dienst
  • Fortbildungen für Fachkräfte und Leitungen, fallbezogen statt paragraphenweise
  • Schnittstelle Sozialdatenschutz und Fallarbeit

Beteiligung ist eine Verfahrensfrage, keine Haltungsfrage.

Sorgeberechtigte, Pflegepersonen und andere Caretaker sollen mitentscheiden — daran zweifelt niemand. Ob sie es können, entscheidet sich an Terminlogik, Sprache, Aktenzugang und daran, wann sie im Prozess zum ersten Mal gefragt werden.

Ich prüfe Beteiligung dort, wo sie stattfindet oder ausfällt: im konkreten Verfahrensschritt.

Typische Aufträge

  • Beteiligungsschritte im Hilfeplanverfahren beschreiben und nachschärfen
  • Beschwerdewege, die auch ohne Schriftform funktionieren
  • Beteiligungsformate für Pflegefamilien und Herkunftseltern
  • Beteiligung messbar machen, ohne sie zur Kennzahl zu verkürzen

Wie komme ich zu den Zahlen, die ich zur Steuerung brauche?

Das ist die Frage, mit der Controlling in der Kinder- und Jugendhilfe anfängt — und sie wird selten gestellt. Stattdessen wird ausgewertet, was das Fachverfahren zufällig hergibt.

Ich definiere Kennzahlen aus Steuerungsfragen und baue den Erhebungsweg dazu: Wer erfasst was, an welcher Stelle des Ablaufs, mit welchem Aufwand, mit welcher Zweckbindung.

Typische Aufträge

  • Kennzahlendefinition mit Zweckbindung und Aggregationsebene
  • Erhebungsworkflows, die in den Arbeitsablauf passen
  • Berichtswesen für Leitung, Jugendhilfeausschuss und Fachaufsicht
  • Begleitung von Digitalisierungsvorhaben aus der Perspektive der Anwenderinnen und Anwender

04

Porträt von Felix Niemann, Schwarzweißaufnahme
Felix Niemann · Sozialpädagoge

Ich kenne die Verwaltung von innen. Das ist der Unterschied.

Ich bin 41 Jahre alt, Sozialpädagoge und seit 2012 in einem Großstadtjugendamt tätig, seit sechs Jahren als Koordinator im Allgemeinen Sozialen Dienst. Ich berate nicht über Behörden, sondern aus einer heraus.

Was ich gut kann: Prozesse in Organisationen lesen. Wer entscheidet wirklich, wo endet die Zuständigkeit, welche Regel schützt wen. Und daraus einen Weg bauen, der zu diesem Haus passt statt zu einem Referenzmodell.

Seit 2014 bin ich Lehrbeauftragter. Die Lehre hält mich an der Forschung, die Praxis hält die Lehre ehrlich. Der Transfer zwischen beidem ist keine Nebentätigkeit, sondern mein Arbeitsgegenstand.

Stationen: Jugendamt, Lehre, Koordination

seit 2012
Großstadtjugendamt, Allgemeiner Sozialer Dienst
seit 2014
Lehrbeauftragter, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel und IU Internationale Hochschule
seit 2020
Koordination im Allgemeinen Sozialen Dienst

05

Fachwissen im Ohr, während die Akte wartet.

Podcasts sind für mich ein Transferformat, kein Marketingkanal. Wer im Dienst zwischen zwei Hausbesuchen sitzt, liest keine Fachzeitschrift — hört aber zu. Ich konzipiere, führe die Gespräche und produziere.

IProduktion

Fokus JA

Themen aus dem Jugendamt, besprochen mit den Menschen, die sie verantworten.

IIProduktion

ASD-Wissen

Fachwissen für den Allgemeinen Sozialen Dienst, in Folgen von unter 30 Minuten.

IIIProduktion

QueerPAR

Partizipative Forschung zu queeren Lebenslagen, im Gespräch mit Beteiligten.

06

Schildern Sie mir, worum es geht.

Ein Absatz reicht. Ich melde mich innerhalb von zwei Werktagen und sage auch, wenn ich nicht der Richtige bin.

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felix-niemann
Antwortzeit
zwei Werktage

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